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Der Wolfenbütteler Stadtteiltreff „Die Ulme“ feiert das 300. Treffen seiner Nähwerkstatt für Erwachsene

Die „Ulme“ in der Ahlumer Siedlung steht schon seit vielen Jahren für Freizeitgestaltung und Begegnung der Menschen in der Juliusstadt und Umgebung. Der Stadtteiltreff mit Beratungsangeboten und Neigungsgruppen für Jung und Alt im Osten der Stadt ist ein Kooperationsprojekt des Landkreises Wolfenbüttel und der Wolfenbütteler Baugesellschaft mbH (WoBau). Die beliebte Nähwerkstatt, die sich jeden Mittwoch von 9.30 Uhr bis 12.30 Uhr in den Räumen am Ulmenweg 2b trifft, feierte inzwischen ihren 300. Nähtreff.

Vor genau sechs Jahren trafen sich ein paar Freundinnen der Nähkunst das erste mal in der „Ulme“, um gemeinsam Kenntnisse auszutauschen, Neues auszuprobieren, eine Tasse Kaffee zusammen zu trinken – und natürlich aus verschiedensten Stoffen vielfältige Formen von Kleidung wie Mäntel, Hosen, Hemden und Blusen zu nähen, oder auch mal Portemonnaies und Taschen. Inzwischen kommen jede Woche bis zu 15 Teilnehmerinnen, so dass alle Räume im Obergeschoss des Stadtteiltreffs in Beschlag genommen wurden. Hier surren die Nähmaschinen, hier weht Kaffeeduft, hier ist immmer was los – man spürt, dass alle gerne hier her kommen. „Eine Teilnehmerin ist heute sogar trotz Zahnschmerzen gekommen“, erzählt Karin Korte, die Mitbegründerin der Nähwerkstatt, schmunzelnd und fügt hinzu: „Unser Umgang hier ist sehr freundschaftlich und hilfsbereit, vielleicht sogar familiär. Man schätzt sich gegenseitig, lernt voneinander, schafft was und hat Spaß.“ – Am Anfang, so Korte, habe man Knöpfe angenäht, Reissverschlüsse ausgetauscht und vielleicht mal etwas geschneidert, doch inzwischen seien viele der Nähtreff-Damen zu wahren Spezialisten für kunstvolle Kleidungsstücke und Accessoires geworden.

Heute ist Karin Korte besonders gut gelaunt, denn zum Dank für ihre langjährige ehrenamtliche Arbeit erhält sie von Kolleginnen und Mitstreiterinnen hübsche Geschenke. Katharina, die auch schon lange dabei ist, hat ihr eine grüne Fahrradmütze genäht, die die „Chefin“ auch sofort für das Jubiläumsfoto aufsetzt, als Swenja Bolten, Sozialarbeiterin im Anerkennungsjahr in der “Ulme”, ihr einen herzlichen Dankesgruß von Susanne Pensler, der Leiterin des Stadtteiltreffs, überreicht. Der Blumenstrauß ist fast so bunt wie die Patchworkdecken an den Wänden im Hintergrund und man sieht zwei Frauen ungekünstelt um die Wette strahlen.

„Wir machen hier aus mitgebrachten und gespendeten Stoffen tatsächlich nicht nur neue Kleidung, sondern schaffen einen Ort, an den jeder seine „Macken“ mitbringen darf und so gemocht wird, wie er ist“, erklärt Korte, und erläutert: „Ja, unsere Gruppe ist schon so etwas wie ein geschützter Freiraum. Oft haben wir es erlebt, dass manche Frau, die zuhause eher die „zweite Geige“ spielt, hier regelrecht aufblüht.“ – Auch ein Mann, erinnert sich Frau Korte, sei einmal dazugekommen, aber Näharbeiten zählten nun einmal nicht zu den traditionellen deutschen Männerhobbies.

Die Teilnehmerstruktur, erfahren wir, ist genauso bunt und vielfältig wie der gesamte Stadtteil. Besonders seit 2015, so Korte, habe man auch viele Frauen aus arabischen und muslimisch geprägten Herkunftsländern zu Gast gehabt, die nicht nur neue Anregungen in die Nähgruppe brachten, sondern auch viel wissen wollten über ihre neue Heimat – und natürlich die deutsche Sprache lernen. Die meisten von ihnen sind aber inzwischen mit Ausbildung und Arbeit beschäftigt, haben ein Kind bekommen oder sind wieder ausgereist.

In Deutschland geblieben ist die aus Syrien stammende Balarm Homi, die aber schon über dreißig Jahre hier lebt, Deutschland als ihre Heimat betrachtet und sich sogar einen neuen, deutschen Rufnamen zugelegt hat: „Hier heiße ich Klara und so nennen mich auch alle.“ Neben ihr sitzt ein kleiner Junge, der ist aber nicht ihr Sohn. Klara klärt auf: „Meine Nachbarin musste zum Arzt, ihr Mann ist arbeiten und so wurde ich gefragt, ob ich auf den Kleinen aufpassen kann. Auf den Nähtreff wollte ich aber nicht verzichten, also habe ich ihn einfach an die Hand genommen und mitgebracht.“

Auch die Wolfenbütteler Baugesellschaft mbH, die das Projekt „Die Ulme“ von Anfang an unterstützt, freut sich über den nachhaltigen Erfolg der Nähwerkstatt. Barbara Gabriel von der WoBau dazu: „Diese ungezwungene, sympathische Gemeinschaft so unterschiedlicher Menschen passt wunderbar zu unserem Stadtteil. Wir sind Heimat – für alle hier.“ Passend dazu läuft in der Ulme derzeit auch ein Studienprojekt der Ostfalia, das in eine Ausstellung zum Thema „Heimat“ münden wird. Diese wird am 21. Juni um 10 Uhr in der „Ulme“ eröffnet.

Für heute aber ist Karin Korte begeistert nicht nur über ihr tolles Team und die gute Laune im Nähtreff: „Gerade wurde uns wieder eine Nähmaschine als Spende angeboten. Die Leute halten zusammen hier im Stadtteil. Und bei uns in der Ulme ist jeder herzlich willkommen!“

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